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Wasserjentsch

 

Ungefähr 10 km südlich des Breslauer Stadtzentrums an der linken Seite der Straße von Breslau nach
Gallowitz liegt in südlicher Richtung zwischen Wirtschaftsgebäuden zur einen und dem Park zur anderen Seite das Schloß.

 

Der älteste bezeugte Name des Dorfes stammt aus dem Jahr 1245 und lautete Comornice. 1358 erscheint der Ortsname Jencz. Erst 1579 ist die deutsche Form Wassergentsch belegt, um das Jahr 1630 wird Wasserlentsch erwähnt, aus dem Wasserjentsch hervorging. 1937 wurde der Name in Schönwasser geändert. Nach 1945 hieß das Dorf zunächst Piekna Woda, bevor der heutige Name Komorowice festgelegt wurde.

Im Jahr 1529 wurde das Gut von dem Breslauer Melchior von Kaltenbrunn erworben, der hier im zweiten Viertel des 16.Jahrhunderts einen Renaissancehof bauen ließ. Sein Wappen befindet sich über dem Haupteingang.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß der erste Ausbau der Anlage um das Jahr 1566 stattfand, als Wasserjentsch Christoph Petsch gehörte. Während dieser Maßnahmen wurde im Osten ein Flügel für Wohn- und Wirtschaftszwecke angebaut, später, etwa 1570 wurde der Westflügel angegliedert, der nach einiger Zeit ausschließlich als Wohnbau fungierte.

 

Um 1700 wurde Wasserjentsch einem tiefgreifenden Umbau unterzogen. Im 18. Jahrhundert wurden die Flügel im Norden und Süden verbreitert, indem auf der Hofseite Gänge mit Arkaden angebaut wurden.

Ein umfassender Umbau und Reparaturen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführt. Damals erhielt ein Teil der Fenster Einfassungen im Stil des Neobarock, die Dächer wurden in Mansarddächer umgestaltet, der Wassergraben an der Hauptfassade wurde zugeschüttet, da die zweite Frau des damaligen Besitzers Emil von Schweinichen an den Folgen eines Fenstersturzes in den Graben starb.

 

Das dreiflügelige Schloß ist ein-und zweizügig gebaut. Die Innenräume weisen verschiedene Decken auf: Tonnengewölbe, Tonnengewölbe mit Lünetten, flache Decken, Balkendecken. Im Westflügel existiert an der Hofseite ein Treppenhaus aus dem 19. Jahrhundert mit schmalen, hohen Fenstern. Hier befindet sich in dem steinernen Sturz der ovalen Wand ein kleines Wappen der Familie Hirsch von Kaltenbrunn. Es trägt die Jahres-
zahl 1529, wurde somit hier wiederverwendet. Die Südfront des Westflügels schmückte ein dreieckiger Erker aus dem 19. Jahrhundert. Der Ostflügel ist einzügig mit einem schmalen Korridor auf der Hofseite.

Interessant war das Ebenholz-Kabinett aus dem 17.Jahrhundert mit Teilen aus Elfenbein. Es befand sich früher in dem Schloß Sibyllenort (Szczodre) und war 1935 erworben worden.

 

In den Jahrhunderten wechselte Wasserjentsch häufig seine Besitzer. Neben den bereits erwähnten Hirsch von Kaltenbrunn und Petsch finden sich auch Heinrich von Logau, der Bruder des Breslauer Bischofs Kaspar von Logau, die Familien von Lüttwitz, von Schickfuß und Steinert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte die Gutsherrschaft Christian Steinert (1830). 1841 kaufte Emil von Schweinichen Wasserjentsch für 49710 rheinische Taler, um es schon 1854 an August von Schönberg (geb. 7.8.1828) zu verkaufen. Dessen Sohn und Erbe Caspar (geb. 4.5.1878) schreibt dazu in seinen Lebenserinnerungen:


„Herr von Schweinichen erhielt von meinem Vater 30000 Thaler preußischer Kurrant bar ausgezahlt, die von Freiberg in Sachsen durch Fuhrleute mit Pferdegespannen anrollten und in Breslau beim Notar auf der Tauentzienstraße übergeben wurden. Beim Abladen der Säcke riß der eine, und 500 Thaler rollten über die Straße. Eine große Menge Straßenpassanten beteiligte sich beim Auflesen. Trotzdem ergab die Nachzählung des Sackes zur größten Überraschung, daß kein Thaler fehlte, warauf sich die Parteien einigten, auch den Inhalt der übrigen Säcke als richtig zu unterstellen und von der mühevollen Arbeit des Nachzählens abzusehen“.

 

August von Schönberg war das jüngste Kind des Friedrich von Schönberg auf Niederreinsberg und Krummenhennersdorf. Er heiratete Mathilde von Lieres und Wilkau aus dem benachbarten Gallowitz, deren Vater Emil den Kauf von Wasserjentsch vermittelt hatte.

Wasserjentsch umfaßte 233 ha Ackerland, insbesondere Zuckerrüben. August verschaffte sich Ansehen, indem er ein vorzügliches Drainagesystem installierte und den ersten Kemna – Dampfpflug einsetzte.

Sein ihn beerbender Sohn Caspar war das siebte seiner zehn Kinder. Beim Tod seines Vaters war er erst 11 Jahre alt. Caspar heiratete Sibylla Sahrer von Sahr aus Dahlen/Sachsen. Da er als Regierungsbeamter zunächst im sächsischen Staatsdienst tätig war, übernahm er die Bewirtschaftung von Wasserjentsch erst 1920 mit der Hilfe eines Verwalters. 1945 floh der Wasserjentscher Treck über das Caspar ebenfalls gehörende Bornitz/Sachsen in den Westen.

 

Das Wasserjentscher Schloß verfiel, kleinere Reparaturen erfolgten erst 1971. In den Jahren 1974-75 wurde im Auftrag des Schulungszentrums der Schafzüchter eine Großinstandsetzung durchgeführt. Dabei sanierte man Decken und Dächer. Die Arbeiten wurden für mehrere Jahre unterbrochen, das Schloß verfiel immer mehr. Eine private Gesellschaft kaufte das Schloß. Die endgültige Restaurierung steht noch aus.

 

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